Gedanken zum Jahresschluss

Ein Jahr geht zu Ende. Und das bedeutet immer wieder eine Stunde der Nachdenklichkeit. Bilanzen werden gemacht, Vorschau auf das Kommende versucht. Für einen Augenblick werden wir dieser seltsamen Wirklichkeit »Zeit« inne, die wir sonst unvermerkt einfach gebrauchen. Harte Tage erscheinen im Rückblick eher verklärt, und die fast vergessene Mühsal läßt uns ruhiger und zuversichtlicher werden, gelassener gegenüber dem Drohenden, das auch vergehen wird. Mit dem alten Jahr ist nicht nur viel Schweres, sondern auch manches Schöne vergangen, und je mehr ein Mensch die Mitte seines Lebens überschreitet, desto stärker empfindet er die Verwandlung dessen, was ihm einst Zukunft und Gegenwart war, in Vergangenheit. Er kann zum Augenblick nicht sagen »Verweile doch, du bist so schön«; was Zeit ist, geht dahin, wie es kam. So kann die letzte Stunde des Jahres uns nachdenklich machen über den Sinn der Zeit.
Der Mensch hat mehr Zeit. Die Medizin hat die Zeit des Menschen verlängert. Aber haben wir eigentlich Zeit? Oder hat die Zeit uns? Die allermeisten haben auf keinen Fall Zeit für Gott, sie brauchen ihre Zeit für sich selber, wie sie meinen. Aber haben wir wirklich Zeit für uns selbst? Oder fehlt uns nicht gerade die? Leben wir nicht gerade an uns selbst vorbei? Und ist es vielleicht doch so, daß die wahre Zeit des Menschen jene Zeit ist, die er für Gott hat? [...] Allzuviel spricht dafür, daß Zeit, die ihm nicht mehr offensteht, uns selbst verschlingt und daß nur das Zeithaben für Gott uns Zeit für den Menschen gibt und damit die wahre Freiheit.

(Papst Benedikt XVI.)

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